Refinanzierungswelle 2026–2028: Wie gut sind Unternehmen vorbereitet?

Sehr geehrte Geschäftspartner! Liebe Kunden!

Ein ereignisreiches Jahr 2025 ist zu Ende gegangen. Wir möchten die Gelegenheit nutzen, uns herzlich für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und Ihre Treue zu bedanken. Dank unseres starken Netzwerks und Engagements konnten wir auch in diesem Jahr wieder zahlreiche spannende Transaktionen im Banken- und Kapitalmarkt erfolgreich begleiten. Mit diesem Rückenwind starten wir zuversichtlich ins neue Jahr.

In diesem Newsletter widmen wir uns dem Thema Refinanzierungswelle 2026–2028 und der Frage, wie gut Unternehmen darauf vorbereitet sind. In den kommenden Jahren rollt auf den deutschsprachigen Raum eine Welle von auslaufenden Unternehmensfinanzierungen zu – eine sogenannte „Maturity Wall“ – die für viele Firmen zur Bewährungsprobe werden könnte. Wir analysieren die aktuelle Lage im DACH-Raum und geben eine praktische Checkliste, wann und wie Unternehmen aktiv werden sollten, um sich Liquidität zu optimalen Konditionen zu sichern.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen einige erkenntnisreiche Minuten beim Lesen und verbleiben

mit freundlichen Grüßen

Christian Büttner, Alexander Krings 

Refinanzierungswelle 2026–2028: Wie gut sind Unternehmen vorbereitet?

Rekordhohes Refinanzierungsvolumen ab 2026 im DACH-Raum

Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz stehen vor einer enormen Refinanzierungsaufgabe. Laut aktuellen Bloomberg Daten (siehe nachfolgende Grafik) summieren sich die bis 2030 fälligen Unternehmensschulden in der DACH-Region auf über EUR 614 Mrd. Allein im Jahr 2026 werden davon etwa EUR 151 Mrd.  fällig. Diese Konzentration führt zu einer Refinanzierungswelle bzw. Maturity Wall, die sich insbesondere in den Jahren 2026 bis 2028 bemerkbar machen wird.

Warum stehen gerade jetzt so viele Refinanzierungen an? Viele Unternehmen haben in den letzten Jahren, etwa während der Pandemie, zusätzliche Kredite aufgenommen, die nun auslaufen.

Der Fokus richtet sich nun auf 2026, wo die Fälligkeiten wesentlich höher konzentriert sind. Unternehmen, die in diesem Zeitraum hohe Kreditvolumina tilgen oder verlängern müssen, sehen sich einem verstärkten Wettbewerb um Kapital ausgesetzt. Gleichzeitig agieren Banken in einem Umfeld mit eingeschränkten Ressourcen, insbesondere auch was die personelle Verfügbarkeit für die Prüfung und Genehmigung von Kreditanträgen betrifft.

Quelle 1: Bloomberg / IC Research, 08.01.2026 (exkl. Finanzdienstleister und Immobilienunternehmen)

Schwieriges Finanzierungsumfeld: Zinsen und Kreditkonditionen

Das aktuelle Zins- und Kreditumfeld macht die Refinanzierungswelle besonders anspruchsvoll. Zwar haben sich kurzfristige Zinsen seit Anfang 2024 merklich entspannt – der 3-Monats-Euribor fiel nach den Leitzinssenkungen der EZB deutlich – doch langfristige Zinsen bleiben auf erhöhtem Niveau.

Zuletzt sind die Renditen für langfristige Anlagen (z.B. 10-jährige deutsche Staatsanleihen) wieder gestiegen. Für Unternehmen bedeutet diese Zinsentwicklung nur eine teilweise Entlastung: Kurzfristige Betriebsmittelfinanzierungen sind etwas günstiger geworden, aber langfristige Finanzierungen für strategische Investitionen bleiben auf höherem Niveau.

Unternehmen mit starker Finanzlage und überzeugender Kapitalstruktur erhalten weiterhin Zugang zu Finanzierungen zu vergleichsweise stabilen Konditionen. Dagegen sehen sich Firmen mit schwächeren Kennzahlen deutlich höheren Finanzierungskosten und strengeren Auflagen gegenüber.

Besonders betroffen sind Unternehmen, die nicht regelmäßig am Kapitalmarkt aktiv sind oder deren Finanzkommunikation weniger ausgeprägt ist. Für diese stellt die Refinanzierung eine besondere Herausforderung dar, da Banken und Investoren vermehrt selektiv agieren und erhöhte Anforderungen an Transparenz und Risikomanagement stellen (siehe Independent Capital Newsletter Nummer 48, Januar 2024: Rechtzeitig! Unternehmensfinanzierung in einem angespannten Finanzmarkt).

Zusätzlich wächst der Insolvenzdruck im schwierigen Umfeld. Für 2025 wird in Deutschland mit rund 23.900 Insolvenzen gerechnet, dem höchsten Wert seit 2014.1 Hauptursachen sind neben den Finanzierungshürden auch strukturelle Belastungen, wie hohe Energiepreise, gestiegene Löhne und eine konjunkturelle Schwächephase. Vor diesem Hintergrund prüfen Banken Finanzierungen deutlich kritischer. Unternehmen sind gefordert, ihr Geschäftsmodell sowie Finanzkennzahlen noch klarer und nachvollziehbarer darzustellen.

Praktische Checkliste für optimale Refinanzierungsbedingungen

Frühzeitige Planung der Refinanzierung

Warten Sie nicht bis kurz vor Fälligkeit, sondern planen Sie mit ausreichend Vorlauf. In der Regel sollten Kredite spätestens 12 Monate vor Endfälligkeit refinanziert sein. Wer die Möglichkeit hat, sollte Refinanzierungen lieber 2026 als 2027 angehen. Denn je weiter die Maturity Wall voranschreitet, desto größer wird der Druck auf Konditionen und Verfügbarkeit von Kapital.

Finanzkennzahlen und Liquidität stärken

Präsentieren Sie Ihren Kreditgebern ein robustes Unternehmen mit solider Liquiditätssteuerung, optimiertem Working Capital und klaren, nachvollziehbaren Business-Plänen. Je besser Ihre Cashflow-Projektionen und Kennzahlen (Leverage, Zinsdeckung etc.) ausfallen, desto größer das Vertrauen der Kapitalgeber in Ihre Rückzahlungsfähigkeit. Eine starke Bilanzstruktur und transparente Finanzkommunikation schaffen Verhandlungsspielraum bei Konditionen und Kreditauflagen.

Bonität verbessern

Unternehmen mit schwacher Bonität müssen mit spürbar höheren Finanzierungskosten rechnen. Die Finanzierungskonditionen unterscheiden sich drastisch nach Kreditwürdigkeit – schwächere Emittenten müssen mit höheren Zinsen und strengeren Covenants leben. Arbeiten Sie daher gezielt an Ihrer Kreditwürdigkeit: Eigenkapitalquote erhöhen, Überschuldung abbauen und eventuell das bankeninterne Rating einholen, damit Sie wissen, wo Sie stehen. Jede bessere Stufe im Rating kann zu deutlich günstigeren Zinskonditionen führen.

Finanzierungsquellen diversifizieren

Verlassen Sie sich nicht nur auf die Hausbank. Angesichts des stärkeren Wettbewerbs um Kredit der Banken sollten alle Finanzierungsoptionen in Betracht gezogen werden: etwa Schuldscheindarlehen, Unternehmensanleihen oder Private Debt durch Kreditfonds. Das Volumen derartig alternativer Finanzierungen ist stark gestiegen und steht bereit, genutzt zu werden. Prüfen Sie auch Mezzaninkapital (zur Stärkung der Eigenkapitalbasis ohne Stimmrechtsverwässerung), Sale-&-Lease-Back (Liquiditätsgewinn durch Verkauf und Rückmiete von Assets) oder Factoring (Verkauf von Forderungen zur schnellen Liquiditätsbeschaffung, siehe Independent Capital Newsletter Nummer 45, April 2023: Alternative Finanzierungsinstrumente – Factoring und Förderungen). Eine breit aufgestellte Finanzierung erhöht die Resilienz – fällt eine Quelle aus, steht eine andere parat. Zudem können alternative Gläubiger oft flexibler und schneller agieren, was in angespannten Zeiten viel wert sein kann.

Timing und Marktbeobachtung nutzen

Je näher die Refinanzierungswelle rückt, desto stärker nimmt der Wettbewerb um verfügbare Mittel zu – und mit ihm der Preisdruck. Banken und andere Kapitalgeber werden angesichts begrenzter Kapazitäten zunehmend selektiver agieren und höhere Margen verlangen, insbesondere bei spät gestarteten Prozessen. Wer zuwartet, riskiert also nicht nur schlechtere Konditionen, sondern auch eingeschränkten Zugang zu Finanzierungspartnern. Es empfiehlt sich daher, Refinanzierungen frühzeitig strategisch aufzusetzen, etwa durch eine Staffelung von Fälligkeiten oder die vorgezogene Sicherung von Teilvolumina. So lassen sich Finanzierungskosten glätten und das Risiko von Belastungsspitzen reduzieren.

Fälligkeiten strukturieren und Laufzeiten staffeln

Vermeiden Sie es, große Kreditvolumina auf einen einzigen Fälligkeitstermin zu konzentrieren. Durch eine gezielte Streuung der Laufzeiten, etwa über mehrere Tranchen mit unterschiedlichen Fälligkeitsdaten, lässt sich das Liquiditätsrisiko deutlich reduzieren. So können Refinanzierungen gestaffelt und besser an Marktbedingungen angepasst werden, anstatt unter Zeitdruck große Summen zu einem fixen Zeitpunkt aufnehmen zu müssen. Es ist ratsam, ein strukturiertes Fälligkeitsprofil aufzubauen, um Refinanzierungen planbar zu gestalten.

Offene Kommunikation mit Kapitalgebern

Überraschen Sie Ihre Finanzierer nicht. Treten Sie frühzeitig in den Dialog mit Banken, Investoren und gegebenenfalls neuen Geldgebern, um Ihre Refinanzierungspläne zu besprechen. Wer proaktiv auf seine Stakeholder zugeht und transparent über Strategie, Geschäftsentwicklung und Kapitalbedarf informiert, der schafft Vertrauen. Dieses Vertrauen trägt wesentlich zu einer positiven Kreditentscheidung bei.

Fazit

Die Refinanzierungswelle 2026–2028 im DACH-Raum wird zum Stresstest für viele Unternehmen. Einerseits sind hohe Volumina an Schulden zurückzuzahlen oder zu prolongieren, andererseits herrschen deutlich härtere Finanzierungsbedingungen als noch vor wenigen Jahren. Wie gut Unternehmen diese Herausforderung meistern, hängt entscheidend von ihrer Vorbereitung ab. Firmen, die früh aktiv werden, ihre Finanzkennzahlen in Ordnung haben und sich strategisch um alternative Finanzierungsmöglichkeiten kümmern, werden sich auch in einem schwierigen Marktumfeld solide refinanzieren können. Wer jedoch abwartet oder unvorbereitet in die Verhandlungen geht, riskiert schlechte Konditionen – oder im schlimmsten Fall Liquiditätsengpässe mit weitreichenden Folgen. Gerade in diesem Umfeld zahlt sich ein erfahrener Finanzierungspartner aus. Wir unterstützen Sie bei der Analyse Ihrer Kapitalstruktur, der Entwicklung eines tragfähigen Refinanzierungsplans und der Umsetzung mit den passenden Finanzierungspartnern – frühzeitig, effizient und unabhängig.

Mehrwert von Independent Capital

Mit mehr als 160 erfolgreich abgeschlossenen Transaktionen und einem platzierten Transaktionsvolumen von EUR 5,3 Mrd. besitzen wir bei Independent Capital eine umfangreiche Expertise im Bereich Corporate Finance. Unsere innovative Herangehensweise ermöglicht es uns, maßgeschneiderte Finanzierungslösungen für Ihr Unternehmen zu entwickeln und Verhandlungen „auf Augenhöhe“ mit im Kapitalmarkt erfahrenen Investoren zu garantieren. Gemeinsam mit Ihnen analysieren wir den finanziellen Spielraum Ihres Unternehmens, leiten daraus die Finanzierungsbedürfnisse ab und setzen die Transaktionen mit den Kapitalgebern erfolgreich um. Durch unser weitreichendes Netzwerk in der Geschäftsführung von Independent Capital und unsere langjährige Erfahrung im Senior Management von Banken bieten wir nicht nur Strukturierung und Platzierung im Banken- und Kapitalmarkt an, sondern unterstützen auch bei der Auswahl des optimalen Finanzierungsinstruments, gestalten die Dokumentation aus wirtschaftlicher Perspektive und arbeiten mit den jeweils passenden Finanzierungspartnern zusammen.

Im Zusammenhang mit diesem Newsletter sind wir an einem Feedback unserer Geschäftspartner und Kunden interessiert. Ihre Kommentare sind unter office@independentcapital.at willkommen.

1: Reuters, 08.12.2025: „German corporate bankruptcies surge to decade high in 2025“

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